In der ARD Sendung PlusMinus werden Verbraucher mal wieder verunsichert. Mit gefährlichem Halbwissen und unvollständigen Angaben werden Aussagen getroffen die Verbraucher in der so wichtigen Frage der Altersvorsorge verunsichern. Der Musterprügelknabe „Riester“ muss mal wieder herhalten. Innerhalb des Beitrags wird die „Riesterrente“ in 3-4 Minuten als unattraktiv abgehandelt. Eine Beratung zur Altersvorsorge inklusive Bedarfsermittlung dauert im Normalfall schon mindestens 60 Minuten. Um dann die verschiedenen Riestervarianten inklusive Vor- und Nachteile zu erklären kommen nochmal 60 Minuten dazu. Es ist immer wieder spannend wie oberflächlich die Medien über so wichtige Themen „berichten.

Fakten:

1. Die eine Riesterrente gibt es nicht. ( Es gibt Riesterbanksparpläne, -fondssparpläne, -rentenversicherungen (klassisch, Index, Fonds…), -darlehen und -bausparverträge)
2. Die Zulagen und die Steuerersparnis gehören nun mal zu diesem Produkt.
3. Die Garantien und Anlagemöglichkeiten zur Abbildung dieser Garantien werden von der Politik vorgegeben und schränken den Handlungsspielraum ein.

An dem Beispielkunden wird versucht zu erklären, dass Riestern nicht funktioniert. Ein 36-jähriger mit einer Laufzeit von 11 Jahren zieht ein Zwischenfazit, dass ohne Zulagen sich der Vertrag gar nicht lohnen würde. Welches Produkt er gewählt hat, wie hoch seine Eigenbeiträge, Zulagen und Steuerersparnis er hat wird nicht erwähnt. Diese Angaben sind nun mal wichtig weil sie zu diesem Produkt gehören – ohne diese Angaben kann ich nun mal keine Bewertung vornehmen.

Spekulation:

Man könnte sich ja fragen welches Riesterprodukt hat er denn gewählt? Vielleicht einen Banksparplan der von Verbraucherschützern empfohlen wurde, wegen der geringen Kosten? Gerade diese Produkte laufen den Erwartungen weit hinterher. Selbst wenn ich nur Kosten von einem Prozent habe, allerdings nur 0,2% erwirtschafte habe ich eben ein Problem. Vor allem wenn in der Rentenphase noch die Kosten für lebenslange Rente dazukommen wird es spannend. Alleine hieran erkennen Sie, dass die Aussagen und Wertungen in diesem Bericht nutzlos sind.

Guter Ansatz des Finanzexperten

Grundsätzlich stimme ich dem Finanzexperten natürlich zu. Allerdings vergleicht PlusMinus hier Äpfel mit Birnen. Denn der vorgeschlagene Aktienfonds über 30 Jahre würde schon mal für viele Anleger einfach nicht ihrem Kenntnis uns Erfahrungsstand entsprechen. Wir als Berater sind verpflichtet bei sämtlichen Anlagen darauf zu achten bedarfsgerecht zu beraten und da kommt man (leider) bei vielen mit einem Aktiendepot nicht weit.

Völlig richtig ist natürlich das Problem der abzubildenden Garantien über Bundesanleihen. Das ist aber kein Problem der „Riesterrente“ sondern ein Problem der deutschen Lebensversicherer verursacht durch den Staat. Die gesetzlichen Vorschriften zur Anlage und Abbildung der Garantien sind nun mal eine finanzielle Repression gegenüber den deutschen Lebensversicherungsunternehmen. Und am Ende jeden Riestervertrages (ausser Darlehen) steht eine Rentenversicherung, da nur Versicherungen eine lebenslange Rente abbilden können. Dass für den versierten und disziplinierten Einzelanleger ein international aufgelegtes Depot oder eine aktienbasierte Vermögensverwaltung attraktivere Renditen bringt, kann ja sein – ist aber eben ein komplett anderes Produkt mit anderen Schwerpunkten.

Aktien und Rendite auch bei Riester möglich

Schade, dass in dem Bericht die Möglichkeit verschwiegen wird, dass auch bei Riester die Möglichkeit besteht an der attraktiven Entwicklung des Aktienmarkts zu partizipieren. Eben unter der Prämisse Beitragsgarantie zum Ende der Laufzeit und Abbildung einer lebenslangen Rente. Darin liegt eben auch der Fehler im Vergleich zum Aktiendepot, hier habe ich eben selbst das Risiko zu tragen um die Gewinne zu sichern und zum Ende der Laufzeit so zu managen, dass es zum Rentenbeginn passt. Das muss dann auch jeder Sparer für sich selbst entscheiden.

Vorteile der Riesterrente

  • hohe Zulagen für Kinder
  • Steuerersparnis für Singles und Besserverdiener
  • lebenslange garantierte Rente
  • Wechsel des Anbieters möglich
  • teilweise Kapitalauszahlung

Nachteile der Riesterrente

  • bedingte Flexibilität 
  • eingeschränkte Renditechancen

Fazit:

Der Bericht stiftet mal wieder mehr Unruhe und Halbwissen, als Fakten zu schaffen. Verbraucher werden bei Ihren Entscheidungen verunsichert und „machen dann lieber gar nichts, als was falsches“. Zusätzlich wird in dem Bericht suggeriert, dass andere Länder „bessere“ Lösungen hätten. Da fehlen mit zur Beurteilung weitergehende Informationen. Das schwedische Beispiel ist eben anders, aber ob die 16% plus 2,5% Pflichtbeitrag reichen um den Lebensstandard im Alter zu halten wird auch in diesem Bericht offen gelassen. Dies hängt eben auch vom demographischen Aufbau und der demographischen Entwicklung ab.
Am Ende vom Tag ist eines klar: Sie müssen etwas für Ihre Altersvorsorge tun – für welches Produkt Sie sich entscheiden liegt an Ihnen und hängt stark von Ihren Zielen und Wünschen ab.

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